Abstandsregeln und Achtsamkeit
01. September 2020
Mittlerweile ist klar, dass wir noch für längere Zeit mit Corona leben müssen. Auch in den Kursen halten wir die Hygiene- und Abstandregeln ein und versuchen, achtsam miteinander zu sein. Wahrscheinlich haben sich die meisten schon an diese neuen Regeln gewöhnt. Trotzdem ist es für viele beunruhigend, nicht zu wissen, wie sich die Pandemie weiter entwickeln wird. Für viele bedeutet das auch beruflich und finanziell eine längerfristige Ungewissheit.
In dieser Situation tut es gut, die heilsamen Kräfte in uns zu stärken. Die erhöhte Aufmerksamkeit für uns selbst und achtsames miteinander Umgehen hat viele positive Aspekte. Das Abstandhalten macht uns bewusst, wie wichtig für uns die Nähe zu anderen Menschen ist. Sich einander nah zu fühlen kann sich auf unterschiedliche Weise ausdrücken, es muss nicht immer eine Umarmung sein. Wir merken duch das Abstandhalten deutlicher, wie wertvoll Begegnungen sind, in denen wir innere Nähe und Vertrauen spüren. Vielleicht macht uns diese Zeit sensibler dafür, diese Momente wahrzunehmen und zu genießen.
Wir können einfach ab und zu inne halten und uns spüren: wie bin ich in diesem Moment hier? Was bewegt mich gerade? Wohin geht meine Aufmerksamkeit? Und was ist mit den Menschen, die um mich sind?
Bei den langsamen Bewegungen des Qigong und Taichi üben wir diese Selbstwahrnehmung ein. Wir bewegen uns mit entspannter Aufmerksamkeit und Achtsamkeit. Könnten wir das vielleicht auch bei unserem normalen alltäglichen Tun praktizieren?
Stärkung in Corona-Zeiten
12.05.2020
Noch immer können durch die Corona-Pandemie keine regulären Gesundheits-Kurse stattfinden. Keiner kann voraussagen, wie sich die Situation mit den Lockerungen des Lockdowns entwickeln wird. Vorausschauende Planung, wie wir es sonst gewohnt sind, ist nicht möglich. Wir können nur von Tag zu Tag, von Woche zu Woche schauen, was möglich ist und wie wir die Möglichkeiten am besten nutzen können.

Dieser Schwebezustand ist manchmal schwer auszuhalten. Ich spüre an manchen Tagen Ungeduld und Verunsicherung, manchmal auch Ärger. Da hilft es mir, mich an die Achtsamkeitspraxis zu erinnern und nach innen zu spüren, ich nehme die Anspannung wahr, die der Ärger erzeugt und die Enge, die entsteht, wenn ich daran festhalte. Ich merke, dass mich diese Enge schwächt, mir Energie nimmt. Durch die Akzeptanz, dass es ist wie es ist, und das Loslassen kann mein Geist wieder weiter werden und ich fühle mich freier.

Mit der Corona-Pandemie und den entsprechenden Einschränkungen müssen wir noch eine Weile leben, auch wenn wir es nicht wollen. Akzeptanz heißt nicht, alles passiv hinzunehmen und sich als Opfer der Zustände zu fühlen. Akzeptanz dessen, was gerade ist, heißt eher, sich offen zu halten für alle Möglichkeiten, die sich daraus ergeben.

In den letzten Tagen begegnete mir der Satz, der Marie von Ebner-Eschenbach zugeschrieben wird:

„Nicht das, was wir erleben, sondern wie wir empfinden, was wir erleben, macht unser Schicksal aus.“

Es macht einen Unterschied, ob wir uns in dieser Situation auf die Angst und die Abwehr fokussieren oder den Blick eher auf die Chancen richten, die vielleicht auch in dieser neuen ungewohnten Situation zu entdecken sind. Den Geist offen und empfänglich halten stärkt uns auch in dieser Zeit, stärkt auch unsere Gesundheit und die Resilienz, unsere Widerstandskraft.

Diese innere Haltung üben wir beim Qigong, beim Taichi und in der Meditation. Ich hoffe, wir können es bald wieder gemeinsam praktizieren!
Von den Bäumen lernen
21.04.2020
„Wenn die Wurzeln stark sind, braucht man den Wind nicht zu fürchten.“

Die Kraft, die in dieser alten Weisheit angesprochen wird, können wir heute mit dem Begriff Resilienz benennen. Resilienz bezeichnet die Fähigkeit, gestärkt aus Krisen hervorzugehen.

Die jetzige Corona-Krise fordert unsere Resilienz heraus, unsere individuelle Widerstandkraft wie auch die unserer Gesellschaft. Kräftige Wurzeln der Gesellschaft zeigen sich unter anderem in einem gut ausgebauten und sozial gerechten Gesundheitssystem, in einer Wirtschaft, die sich an den Grundbedürfnissen der Menschen orientiert und auf politischer Ebene an gut verankerten demokratischen Strukturen.

Wie sind wir als Individuum verwurzelt? Was macht unsere Wurzeln aus? In wie weit sind wir bei uns selbst wirklich zu Hause? Vielleicht stellen sich diese Fragen in der Krise für uns auf neue Weise. Hilfreich ist dabei die Achtsamkeit, die wir auch im Qigong, beim Taichi und in der Meditation üben, Wahrnehmen und Annehmen was ist, um adäquat zu handeln und mit Achtsamkeit und Wertschätzung uns selbst und anderen zu begegnen.

Dazu gehört auch das Annehmen der eigenen Hilflosigkeit angesichts einer unbekannten Situation, aber auch das Wahrnehmen unserer tiefen Bedürfnisse wie Kontakt, Berührung, Verbundenheit und Gemeinschaft. In dieser Zeit des Abstandhaltens wird besonders deutlich, was uns wirklich wichtig ist, und andererseits was wir gar nicht brauchen.
Wenn jetzt die Einschränkungen wieder gelockert werden, tut es sicher gut, weiter achtsam zu bleiben und bewusst auszuwählen, was uns gut tut (und auch für das Klima gut ist!) und was wir auch weiterhin weglassen wollen. Die Situation ist vielleicht vergleichbar mit dem Fasten. Wer schon mal für ein paar Tage oder eine Woche gefastet hat, weiß, dass das Fasten brechen mit die schwierigste Herausforderung ist. Um nicht gleich wieder in die alten Verhaltensmuster zurückzufallen, ist es wichtig, die Achtsamkeit sich selbst gegenüber zu behalten und mit Bewusstheit und Ruhe mit dem Essen zu beginnen.

Genauso können wir uns auf die Zeit nach den Einschränkungen vorbereiten und uns schon jetzt die Frage stellen: Wie wollen wir leben? Bei einem gesunden Baum wachsen die Wurzeln im Gleichgewicht mit der Krone. Je tiefer er verwurzelt ist und mit den nötigen Nährstoffen versorgt wird desto freier kann sich seine Krone entfalten. Vielleicht können wir als Einzelne und als Gesellschaft von den Bäumen lernen!